Spieglein, Spieglein…

…An der Wand, wer ist eigentlich die Schönste im ganzen Land? Schönheit lässt uns über den Wolken schweben und lässt uns zu den Schönsten aufsehen. Wir lassen unseren Werte-Baukasten von ihr definieren und geben alles um perfekter als die Perfekten auszusehen.

Der Bikini-Grad bestimmt unser Leben und der Six-Pack darf doch auch irgendwie nicht mehr fehlen. Respekt wird doch über unsere Leistung definiert und schaffst du es nicht „Low Carb“ oder „healthy“ zu leben, dann kannst du dir doch gleich die Schokugel geben. Probier’s doch mal mit den sexy „Mach dich krass“-Diäten. Und dann?

Dann sind wir wirklich schön aber doch niemals schön genug. Zeigt unsere Wage ein Kilo mehr wirft uns das um Welten zurück. Und dann diese schiefe Nase, die Elefanten-Ohren und überhaupt was soll das mit den Bauchspeck nun? Schönheits-OPs sind unsere neuen Psychotherapien und statt mit dem Menschen neben uns zu reden, stechen wir lieber die Photo-Shop-Nadel tief in unsere Instagram Profile. Hashtagen uns mit gesunden und Schönheitsdingen und lachen über alle, die irgendwie nicht so sind. Wir wollen besonders sein, wollen unseren Style abheben. Aber wenn jemand anders besonders ist als wir, wenn er die falsche Leggins oder einen Fettbauch vor sich her trägt, dann stecken wir unsere Köpfe zusammen, flüstern und schwören uns, mit so etwas niemals anzufangen. Wir schubsen die Schwachen weg. Und am Ende des Tages verachten wir doch nur unsere eigenen Falten und Pickel im Spiegelbild.

Dann denken wir, wir sind alleine in unserem Spiegel-Labyrinth. Wenn wir in den Spiegel schauen, dann sehen wir nur unser eigenes Spiegelbild und wenn wir über die Straße laufen, sind wir unfähig den anderen ein Lächeln zu schenken und auch mal an das Leben (und den Charakter?) der anderen zu denken.

„Spieglein, Spieglein“ hat uns gelernt, dass wir Annerkennung durch unser Spiegelbild erlernen, dass wir nur genug überschminken müssen um zu guten Menschen und geliebt zu werden.

Wann sind wir endlich bereit das Botox nicht in unser Gesicht, sondern in unseren Charakter zu spritzen? Ganz viel Liebe und Hilfsbereitschaft in unser Gehirn zu bringen und unser Ego zu diäten? Wir können doch mal nur das Herz trainieren und den anderen Anerkennung für ihre Persönlichkeit schenken!

Bitte lass uns aus unseren Spiegeln Türen machen und all die anderen Gesichter und Spiegelbilder in unser Leben lassen. Lass uns weiterhin Gewichte stemmen. Ja! Aber diesmal für die alte Damen die schweren Einkäufe in das Auto heben und dem Postboten demnächst mal diese „Hallo-ich-denke-an-dich“ Pakete mit auf den Weg geben. Lass uns mal richtig krass nett werden und lass mal „sozial sein“ zu einer sexy Eigenschaft werden.

Ich mein‘: Lass uns doch nicht wunderschön sondern wundercharakterlich sein. Damit wir unseren Werte-Baukasten reformieren und anfangen Liebe nicht über Schönheit zu definieren.
Wundertolle Grüße Ihr WunderMenschen!

Anna
Das ist ein Auszug aus einem meiner Slam-Texte – ich bitte euch meine Rechte am Text zu respektieren und nichts zu kopieren. Danke ☺️ Was haltet ihr von Poetry Slams und wart ihr schon in Köln dabei?

5 Kommentare zu „Spieglein, Spieglein…

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