Reisebericht: Bulgarische Nähkästchen-Plauderei

„You look like a stoned person“, sagt unser Fahrer und versichert mir, dass er das absolut positiv meint. Ich bin mir nicht sicher, ob das die besondere Art ist, in Bulgarien Komplimente zu machen. Die Zeit darüber nachzudenken bleibt mir aber auch nicht. Denn schon lenkt unser Komplimente-Macher den Jeep über eine Felskante, der Wagen hebt einen Moment ab und fährt auf zwei Rädern weiter, bevor er in ein Wasserloch eintaucht. Das Metall des 40 Jahre alten Militärjeeps knarzt gefährlich, als der Wagen wieder den Berg hoch zur nächsten Kante jagt. Ich klammer‘ mich an den losen Metallstreben fest, beobachte das Geschehen teils durch das durchgerosste Loch im Boden, teils durch einen Rundumblick in unserem nicht ganz so luxuriösen Kabrio. In Bulgarien reist man eben nicht schick, sondern ganz einfach, ganz abenteuerlustig und ganz Off-Road zum nächsten Halt.


Zwischen Hügel und Schlucht bekomme ich nun von dem freundlichen Bulgaren am Steuer etwas von seinem Internet-Volumen angeboten. Ich lehne dankend ab. Die Welt mit ungeplanten Müllhalden, Ruienen, und funktionsfähigen Müll-Autos vor ärmlichen Häusern fliegt an uns vorbei, wir holpern Vorwärts, weit entfernt von der Welt aus der wir kommen.


Ruckelnd bleibt unser Jeep stehen und die Zeit scheint rückwärts zu rotieren: Vor uns liegt ein kleines Dorf, das dem Mittelalter entsprungen sein könnte. Bewohner Stephan begrüßt uns und zeigt uns die ganzen kleinen und großen Dinge der Vergangenheit: ein alter Webstuhl, eine Wollmaschine und der Sodastream von gestern: Die Limonade-Maschine aus dem 19. Jahrhundert sprudelt sogar ganz ohne Kohlensäure und das Ergebnis schmeckt sogar! Nach dem Trinken kommt das Essen im Nebenhaus. Eine deutsche und bulgarische Flagge an der Garderobe wehen uns Solidarität entgegen, während der deutsche Tourist mir gegenüber, das einfache Essen abfällig als „Geschmacksexplosion“ bezeichnet und der Mensch zwei Plätze neben mir, gleich den ganzen Ausflug schlecht findet. Deutsche können wirklich anstrengend sein.


Die nächsten Tage unseres Urlaubs halten wir uns also lieber von den Deutschen fern und genießen ein paar Strand-Tage mit Meeres-Rauschen im Ohr. Ich kann euch nur die Sonnenbetten der Cabana Beach Bar für umgerechnet 20€ Mindestverzehr pro Tag empfehlen. Einen Abend machen wir uns schließlich auf zum „Königszelt„. In dem Restaurant weit über der Promenade vom Sonnenstrand, ist gleich alles viel edler, schicker. Neben zwei anderen Gängen können wir von dem tranditionellen Schopska-Salat kosten und ein eindrucksvolles Variete-Programm genießen.

Mindestens genauso wundertoll war unser Besuch im nahe gelegenen Städtchen Nessebar. Die kleinen Gassen laden zum spazieren ein, die vielen süßen Restaurants und Kneipen wollen einen stattdessen vom Verweilen überzeugen. Schließlich landen wir in einer Tropfsteinhöhle. Die entpuppt sich als Micheals Eco Bar ,wo wir ein bisschen Pause von der September-Sonne machen.

Und jetzt sitze ich hier – in Deutschland und hätte die Sonne und die Bulgarischen WunderMenschen gerne wieder zurück!


Liebe Grüße Ihr WunderMenschen

Anna

2 Kommentare zu „Reisebericht: Bulgarische Nähkästchen-Plauderei

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